Mehr Lebensqualität durch Feldenkrais?

Kann Feldenkrais® meine Koordination und Beweglichkeit verbessern und mehr Leichtigkeit und Qualität in mein Leben bringen?
Eine Studie aus Philadelphia, 2005 veröffentlicht, untersucht genau das bei einer Gruppe von 14 älteren Menschen, die zwei Tage lang Lektionen in Bewusstheit durch Bewegung erhielten gegenüber einer vergleichbaren Kontrollgruppe.

Die geistige Gesundheit und die Vitalität konnte messbar verbessert werden. In ihren persönlichen Rückmeldungen gaben die Feldenkrais®-Übenden an, dass sich knapp ein Drittel größer fühle, der Rest gleich groß. 43% sagten aus, dass ihnen das Laufen leichter fiele und 93%, dass sie leichter vom Boden hochkämen. Keiner empfand eine Verschlechterung.

Sehr interessant war das Ergebnis für das Aufstehen. Während die Kontrollgruppe ihre Zeiten um ca. 5% verbesserte, waren die jüngeren Teilnehmer des Tests in der Lage ihre Zeit um 10 % zu verkürzen. Die älteren Teilnehmer der Testgruppe nahmen sich allerdings viel mehr Zeit als vor den Lektionen, um vom Boden ins Stehen zu kommen, obwohl es ihnen nach eigener Aussage nicht schwerer fiel. Vielleicht hat sie das Feldenkrais®-Fieber gepackt und sie konnten nicht aufhören mit dem Erforschen?

Sowohl beim Aufstehen als auf dem Laufband war auch eine Verbesserung bei der Kontrollgruppe festzustellen – Bewegung und Übung alleine hilft also auch schon, mit Feldenkrais® kann die Erfahrung wohl intensiviert oder ausgebaut werden.

Ein Abstrakt und der Artikel zur Studie auf Englisch ist hier zu finden.

Der Mann hinter der Methode – wer war Moshé Feldenkrais?

Als der 14jährige 1919 seine Heimatstadt Slawute (Ukraine) verließ, um nach Palästina auszuwandern, war es eine Reise ins Ungewisse, in eine offene Zukunft. In dieser Zukunft war der Junge nicht nur Zeitzeuge weltgeschichtlicher Ereignisse, sondern er nahm aktiv an diesem Geschehen teil. Moshé Feldenkrais begegnete und arbeitete mit Menschen wie dem Ehepaar Joliot-Curie, den Erforschern der Kernspaltung, Jigoro Kano, dem Erfinder des modernen Judo, Ben Gurion, dem Staatsgründer Israels, Milton Erickson, der die moderne Psychotherapie mitprägte und viele andere einflußreiche Köpfe seiner Zeit. Wenn Feldenkrais an jemandem oder etwas interessiert war, dann wandte er sich ihm mit voller Aufmerksamkeit zu. Dabei scheute er sich nicht davor, welchen gesellschaftlichen Status derjenige inne hatte.

Als junger Mann campierte er in der Wüste und baute die Häuser Tel Avivs auf mit den anderen Pionieren. In den 1930er Jahren studierte er Ingenieurswissenschaften in Paris und erwarb als erster westlicher Schüler den Judo-Schwarzgurt. 1940 floh er nach Großbritannien und arbeitete mit anderen Wissenschaftlern in Schottland an kriegentscheidenden Forschungen. Hier begann er durch eine eigene Verletzung die Feldenkrais-Methode zu entwickeln. Zurück in Israel arbeitete er ab 1950 im Kriegsministerium und erforschte seine Methode immer weiter. Ende der 1960er Jahre began er Schüler als Lehrer der Feldenkrais-Methode auszubilden, zunächst in Tel Aviv, später in San Francisco und Amherst in USA. Nach 1981 erlitt er mehrere Schlaganfälle und starb 1984 in Tel Aviv.

Sehr zu empfehlen und einer Abenteuergeschichte gleich ist die Feldenkrais-Biographie von Christian Burckard (2015). Auf der Seite des Autors sind Lese- und Hörproben und einige spannende Radio-Features zu finden.