Tag 21 - Neugierig sein - ist das was Gutes?
Wenn Du heute Gehen im Sitzen ausprobierst, bringst Du Deinen unteren Rücken, die Hüftgelenke und Deine ganze Mitte im Bewegung. Hervorragend bei längerem Sitzen!
Neugier ist nicht nur etwas für Museumsbesuche und neue Rezepte – sie ist eine Haltung, die Beziehungen leichter machen kann. Heute geht’s um Offenheit - interessiert, freundlich, und trotzdem klar im Grenzen wahren, die eigenen und die der anderen.
Sei nicht so neugierig, habe ich zumindest früher als Kind öfter gehört. Geholfen hat es nicht. Ich bin interessiert an neuen Dingen, neuen Themen und neuen Menschen, immer wieder.
Wieso soll das etwas Schlechtes sein? Ich verstehe natürlich, dass es bei dem Satz darum geht, sich nicht in die Dinge anderer einzumischen. Tatsächlich hatte ich aber als Kind auch das Gefühl, dass mein von anderen völlig unabhängiges Fragenstellen und Hinterfragen nicht immer ganz so gut ankam. Vielleicht war es zu anstrengend.
Wie geht es Dir mit Neugier? Ist sie für Dich positiv oder negativ?
Warum unser Gehirn so gerne Schubladen baut
Wir sind meistens nicht neutral unterwegs. Unser Nervensystem scannt ständig, ob unsere Umgebung und das, was wir erleben für uns sicher oder unsicher ist. Die Erfahrungen, die wir gemacht haben, die Dinge, die wir von anderen gelernt haben, das sind dann Abkürzungen, um die Situationen möglichst akkurat einzuschätzen. Wir wollen keine Vorurteile anderen gegenüber haben, unsere Biologie ist aber darauf ausgelegt, die Infos, die wir bekommen, zu nutzen.
Es kann sein, dass uns jemand an eine Person erinnert, die wir früher gekannt haben und wir übertragen Sympathie oder Antipathie auf diese, ohne sie zu kennen. Bestimmte Sätze oder Ausdrucksweisen, die wir aus familiären Kontexten kennen, lassen gerne alle Alarmglocken schrillen. Manche von uns sind auch darauf "trainiert" ALLES, was gesagt wird, als Angriff zu verstehen.
Wenn wir müde sind, Schmerzen haben, unter Zeitdruck stehen oder schon den halben Tag “funktionieren”, dann fallen unsere Reaktionen noch automatischer und holzschnittartiger aus.
Wenn man neugierig ist, ist man zugewandt
Wenn wir neugierig sind, richten wir unsere Aufmerksamkeit nach außen, das erfordert Offenheit. Gleichzeitig sind wir bereit, neue Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten. Das ist das Gegenteil von einem Verteidigungsmodus, in dem wir uns zurückziehen, dicht machen und angreifen oder verletzen.
Mit Neugier können wir also unseren automatischen Beurteilungsmodus unterbrechen. Wir können wieder entscheiden: Wie will ich reagieren?
Willst Du recht haben oder glücklich sein?
Willst Du recht haben oder glücklich sein? Das ist eine Frage, die mich daran erinnert, was wirklich Bedeutung hat. Worum geht es hier eigentlich gerade? Ist es so wichtig, dass mein Gegenüber eingesteht, dass ich mehr weiß oder die richtige Sicht auf eine Situation habe? Oder geht es darum, dass wir zwei menschliche Wesen sind, die im Austausch miteinander stehen?
Glücklich sein soll nicht heißen, dass man nicht Nein sagen oder widersprechen kann. Es geht um das Wie. Will ich einfach gewinnen, recht haben, besser sein, mich verteidigen, verletzen oder angreifen?
Oder will ich im besten Fall eine Win-Win-Situation schaffen? Dann geht es ja erstmal darum, zu verstehen.
Will ich den anderen festnageln, oder will ich herausfinden, was hier eigentlich passiert? Kann ich mir leisten, eine Möglichkeit offen zu lassen, statt sofort ein Urteil zu fällen?
Was gibt es für Möglichkeiten?
Statt gleich zu reagieren auf Aussagen, die uns triggern, die wir für unsinnig oder sogar empörend halten, können wir unserem Gegenüber Fragen stellen:
"Was ist dir daran wichtig?"
"Woran merkst du, dass das für dich stimmt?"
"Wie bist du zu dieser Sicht gekommen?"
Und wir können so zuhören, als würden wir Daten sammeln, nicht Munition.
Ich wünsche Dir viel Offenheit und Neugierde auf eine gute Weise, sehr herzliche Grüße, Evelyn