Tag 2 - Wir sind ein Haufen Gewohnheiten

Hier geht es zum 5-Minuten-Entspannung-Audio: Schultern entspannen ganz einfach

Du bist hier, da Du gerne entspannter sein und wissen willst, wie Du die Herausforderungen des Alltags souveräner meistern kannst. Das bedeutet, dass Du etwas verändern willst.

Schauen wir uns mal an, wie Veränderung in unserem Gehirn abläuft.

Wenn wir auf die Welt kommen, ist unser Gehirn mit Milliarden von Nervenzellen ausgestattet. Diese Nervenzellen oder Neuronen sind allerdings noch unstrukturiert. Erst durch die Wahrnehmung der Umwelt, den Gebrauch unseres Körpers und das Entwickeln von Fähigkeiten verbinden sich die Neuronen zu neuronalen Netzwerken. Weil ein Säugling die Stimmen um sich herum hört, sie versucht nachzuahmen, sich auszudrücken und zu verstehen, entwickelt er Sprachmuster.

Diese Verbindungen sind bestimmte Aktionen und Reaktionen, die wir gelernt haben. Je öfter wir sie wiederholen, desto dicker werden die Verbindungen und leiten die Impulse schneller weiter bis dahin, dass wir Dinge automatisch und unbewusst machen können, wie z.B. Sprechen oder Autofahren. Wir denken nicht mehr über jeden Schritt und jedes Detail nach, wenn wir das tun - wir machen es einfach ohne darüber nachzudenken. Es ist uns zur Gewohnheit geworden.

Das kann gut sein oder schlecht. Je nachdem, ob wir die Gewohnheit haben oder loswerden wollen.
Generell ist es einfacher, sich etwas Neues anzugewöhnen als etwas zu unterlassen. Mit etwas Neuem schreiben wir unsere Gewohnheitsmuster um. Wenn wir versuchen, etwas nicht zu machen, versuchen wir sie zu blockieren, obwohl sie aktiviert sind. Frei nach dem Spruch: Versuch jetzt nicht an ein rosa Kaninchen zu denken (und schon taucht es in Deinem Kopf auf).

Durch alles, was wir erlebt und erfahren haben, haben wir Muster in unserem Gehirn aufgebaut, die unsere Reaktionen zu einem großen Teil bestimmen. Wie können wir diese Muster verändern - so, dass wir automatisch so reagieren, wie wir das gerne möchten?

Die vielleicht traurige Nachricht ist: es ist nicht so einfach. Je älter diese Muster sind, desto tiefer sind sie eingeprägt. Was wir in den ersten drei Jahren erleben hat z.B. auf viele unserer Funktionen und Handlungen einen starken Einfluss. Doch das bedeutet nicht, dass nicht vieles möglich ist.

Die guten Nachrichten sind:

  • Das Gehirn ist bis ins hohe Alter neuroplastisch, d.h. wir können es und uns verändern und bestimmte Muster verwandeln, wenn wir es wollen.
  • Wir können lernen, mit unseren Anlagen (z.B. unserer Stressempfindlichkeit) anders umzugehen, indem wir besser verstehen, was wir brauchen. Vielleicht bin ich ein Mensch, der mehr Ruhe braucht als andere, vielleicht kann ich lernen, was genau mich entspannt.
  • Wir können auf jeden Fall einen gesünderen Umgang mit uns selbst entwickeln, indem wir die besseren Muster aktivieren und die ungünstigen möglichst links liegen lassen. Wiederholung stärkt Muster, Nicht-machen schwächt sie.

Diese Art, einen neuen Umgang mit sich selbst zu finden, ist zutiefst persönlich. Nur Du kannst entdecken, welche Gewohnheitsmuster Du hast und welche Du kultivieren willst, weil sie Dir gut tun und zu Dir passen. Allerdings können andere Dich auf dieser Entdeckungsreise mit ihren Perspektiven begleiten.

Es geht nicht darum, das zu tun, was alle tun, sondern Deinen eigenen Weg zu mehr Entspannung, Bewegungsfreiheit und liebevoller Nachsicht Dir selbst gegenüber zu finden.

"Man kann, zu jedem Zeitpunkt seines Lebens, sich umprogrammieren. Sie können das, vorausgesetzt, ich kann Sie überzeugen, dass an Ihrem System nichts endgültig, unabänderlich oder zwangsläufig ist, das ausgenommen, was Sie für zwangsläufig und unabänderlich halten." Moshe Feldenkrais

Ich wünsche Dir eine gute Reise auf dem Weg zu Dir selbst, Evelyn

Zum Weiterlesen: Motivation und Gewohnheit - vom Nutzen und der Gefahr von Wiederholung

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