Tag 20 - Wie wertvoll gestaltest Du Dein Leben?

Heute kannst Du im Sitzen oder als Variante im Liegen oder Stehen Deinen Kiefer entspannen. Finde heraus, was Du machst, verstärke es etwas und lass dann los.

Deine Werte sind wie ein innerer Kompass, Deine Orientierung in einem vollen Leben. Wenn Du gegen ihn lebst, merkt Dein Körper das oft schneller als Dein Kopf. Wenn Du sie übergehst, meldet sich das oft als Unruhe, Spannung oder dieses dumpfe Gefühl von innerem Widerstand.

Werte als innerer Kompass

Werte sind die Dinge, die Dir wirklich wichtig sind, selbst wenn Du gerade keine Zeit hast, darüber nachzudenken. Sie zeigen sich natürlich in dem, was Du Dir vornimmst, aber vor allem auch in dem, was Du tust, wenn es eng wird. Wie gehst Du dann mit Menschen um? Wie triffst Du dann Entscheidungen? Was trägst Du mit und was nicht? Wofür hast Du still und beharrlich Energie übrig, obwohl Du eigentlich zu müde bist?

Viele von uns tragen ihre Werte in sich, ohne sie klar benennen zu können.* Trotzdem wirken sie wie eine Richtung im Hintergrund. Sie geben Deinem Alltag Sinn, weil sie entscheiden, was sich für Dich stimmig anfühlt. Sinnvoll ist für uns das, was wir innerlich bejahen können.

Wie Werte deinen Alltag formen

Werte steuern viele kleine Entscheidungen, ohne dass Du es bewusst merkst. Du merkst es erst, wenn etwas nicht passt. Wenn du dich nach einem Meeting leer fühlst, obwohl fachlich alles in Ordnung war. Wenn du zu etwas Ja gesagt hast und später innerlich dagegen anläufst. Wenn du immer wieder ausweichst, obwohl du eigentlich Klarheit magst. Deine Werte sind wie ein inneres Navigationssystem.

Wenn Du im Einklang mit Deinen Werten handelst, entsteht häufig ein Gefühl von Stimmigkeit. Du bist nicht permanent am Nachjustieren. Du kannst anstrengende Dinge tun, ohne Dich dabei selbst zu verlieren. Du bist eher bei Dir, entspannt, offen für andere Perspektiven.

Wenn Du gegen Deine Werte lebst, wird es zäher. Dann brauchst Du mehr Druck, Durchhalten und innere Überzeugungsarbeit. Oft wird die Erholung schlechter, weil Dein System nachts weiter verhandelt, was tagsüber verdrängt oder geschluckt wurde.

Wenn Werte kollidieren

Wertekonflikte sind normal. Sie entstehen zwischen Dir und anderen Menschen, aber auch in Dir selbst. Du willst Harmonie und gleichzeitig Ehrlichkeit. Du willst Loyalität und gleichzeitig Freiheit. Du willst Leistung bringen und gleichzeitig gesund bleiben.

Am Arbeitsplatz ist das besonders häufig: Du schätzt Sorgfalt, aber das Unternehmen will Tempo. Du legst Wert auf Respekt, aber der Ton ist rau. Du willst Sinn, aber Du arbeitest gerade an Dingen, die sich für Dich leer anfühlen.
Dann fängt innerlich ein Teil an zu bremsen, während ein anderer Teil weiter nach vorn schiebt. Das kostet Kraft, auch wenn Du äußerlich funktionierst.

Solche Kollisionen machen Dich nicht empfindlich oder kompliziert. Sie sind ein Hinweis darauf, dass Du Orientierung hast. Sie laden dazu ein, genauer hinzuschauen, welche Werte gerade unter Druck geraten und welche Konsequenzen Du bereit bist zu tragen, um sie zu schützen.

Dein Körper wird zum Stimmungsanzeiger

Wertekonflikte sind nicht nur Gedanken. Sie zeigen sich körperlich. Manche spüren sie als Kloß im Hals, andere als Druck auf der Brust. Mögliche Anzeichen sind ein festes Zwerchfell, hochgezogene Schultern oder ein verspannter Kiefer. Der Körper "verkörpert" Deinen inneren Konflikt.

Wenn Du Dich blockiert oder wie erstarrt fühlst, kann das ein Zeichen sein, dass Dein System Widerstand leistet. Es sagt Dir in diesem Augenblick, dass hier etwas nicht gut läuft. Vielleicht läufst Du Gefahr, gegen Deine innersten Werte und Überzeugungen zu verstoßen.

Stimmigkeit fühlt sich anders an. Du kannst frei atmen und bist entspannt. Du bist ruhig und gelassen. Alles - Dein Körper, Deine Bewegungen, Deine Handlungen - entsprechen Dir und gehen mit Deinen Gedanken und Gefühlen Hand in Hand. Es fühlt sich auf einer tiefen Ebene richtig an.

Was Du tun kannst

Nimm Dir fünf Minuten, am besten im Sitzen

  • Denk an eine Situation, die Dich gerade regelmäßig anspannt, beginne wie immer klein
  • Schreib drei Wörter auf, die Dir daran wichtig sind, wie z.B. Respekt, Ruhe, Fairness, Verbundenheit, Freiheit, Klarheit etc.
  • Spür kurz in Deinen Körper hinein, ohne etwas zu verändern

Dann kannst Du auf zwei Wegen schauen, was Du verändern kannst. Du kannst Dich im Kopf fragen, welcher dieser Werte im Moment zu wenig Raum bekommt und wie Du das ändern kannst.
Ich schlage Dir heute vor, auch etwas anderes auszuprobieren, nämlich den Körper zu nutzen, um etwas zu verändern.

  • Such Dir eine Stelle aus, die sich angespannt fühlt. Hast Du eine Idee, mit welchem Wert diese Anspannung zusammen hängt? Wann wird sie mehr, wann weniger, wenn Du an die Situation denkst?
  • Gehe dann aktiv in diese Spannung hinein. Wenn Deine Schultern hochgezogen sind, ziehe sie noch etwas weiter hoch und lass wieder los. Wenn Dein Bauch angespannt ist, spanne ihn noch etwas mehr an und lass wieder los. Wenn Du nicht gut atmen kannst, halte kurz die Luft an.
  • Danach nimm Dich wieder wahr. Stell Dir vor, dass Du in Übereinstimmung mit Deinem Wert, der verletzt wurde, bist und handelst. Wie fühlt sich das an?
  • Überlege jetzt, wie Du Deinen Wert das nächste Mal in solch einer Situation vertreten, kommunizieren und bewahren kannst.

Wenn Du diesen Weg für Dich ausprobierst, schreib mir gerne, was Du erfährst und was sich verändert für Dich. Ich bin gespannt darauf, von Dir zu hören.

Ich wünsche Dir eine wertvolle Zeit, sehr herzliche Grüße, Evelyn

*Falls Du keine Idee hast, was Deine Werte sein könnten oder Du tiefer einsteigen willst, gibt es eine Werteliste, mit der Du Deine Werte und ihre Wichtigkeit für Dich herausfinden kannst.

Hier kannst Du ein pdf der TU Braunschweig herunterladen, das Dir hilft, Deine Werte zu identifizieren.

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