Tag 23 - Liebevoll mit mir = liebevoll mit anderen

In diesem Audio liegst Du am Strand... und nimmst wahr, welchen Abdruck Du im warmen, weichen Sand hinterlässt.

Liebevoll mit Dir zu sein ist kein Ego-Trip, sondern die Basis dafür, mit anderen wirklich präsent und geduldig zu sein. Wie beim Sauerstoff im Flugzeug: Erst wenn Du Luft bekommst, kannst Du sinnvoll helfen.

Ich kenne diese Momente, in denen ich merke: Ich bin eigentlich ein netter Mensch – aber gerade reicht's. Die kleinste Frage nervt, der Ton wird schärfer, und innerlich läuft eine leise Liste: Ich müsste noch…, ich sollte noch…, ich darf nicht…. Oft beurteilen wir uns dann noch negativ, weil wir uns doch einfach nur zusammen reißen müssten.

Zusammenreißen ist kein Energielieferant. Im Gegenteil.

Der Baum, der erst stark wird

Ich mag das Bild vom starken Baum. Ein Baum kann Früchte tragen, Schatten geben, Wind abhalten – aber nicht, weil er sich dafür anstrengt, für andere da zu sein. Er tut es, weil er Wurzeln hat. Weil er Wasser bekommt. Weil er nicht ständig gegen sich selbst arbeitet. Das möchte ich für mich auch gerne.

Wenn wir gut für uns sorgen, werden wir keine besseren (oder schlechteren) Menschen. Wir bauen Puffer auf. Ein bisschen mehr Geduld. Ein bisschen mehr Humor an Tagen, an denen alles schief geht. Genau dieser Puffer ist das, was andere spüren können: "Ah, hier ist jemand, der nicht schon bei 98% läuft."

Sauerstoffmasken und die Logik des Nervensystems

Im Flugzeug heißt es,  bei Druckabfall zuerst die eigene Maske aufsetzen, dann anderen helfen. Das klingt logisch – und fühlt sich für viele trotzdem falsch an. Weil in uns ein altes Programm läuft: "Erst die anderen, dann ich." Oder: "Wenn ich mich wichtig nehme, bin ich egoistisch."

Biologisch betrachtet ist das ziemlich unpraktisch. Ein überlastetes Nervensystem gerät unter Druck. Die Aufmerksamkeit schrumpft, Reizbarkeit steigt, Mitgefühl wird rar. Das System geht auf Sparflamme. Wie ein Handy im Energiesparmodus. Es geht noch, aber bitte keine zusätzlichen Apps öffnen.

Warum es so schwer ist, die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen

Viele von uns haben gelernt, die eigenen Bedürfnisse klein zu halten. Das war oft sinnvoll, weil es Zugehörigkeit gesichert hat. Wer brav ist, bekommt weniger Gegenwind. Wer stark wirkt, wird gelobt. Wer schnell hilft, gilt als verlässlich.

Nur hat dieser alte Vertrag einen Preis. Bedürfnisse zu unterdrücken kostet Energie. Das gilt besonders, wenn wir es über ein Maß hinaus tun, das für das Zusammenleben in einer Gruppe tatsächlich hilfreich ist. Dann staut sich etwas an. Manchmal zeigt es sich psychisch, etwa als Gereiztheit, innerer Druck oder Erschöpfung. Manchmal zeigt es sich körperlich, etwa als Spannungen, Unruhe oder diffuse Beschwerden. Das ist keine Schwäche, sondern eine Botschaft. Etwas fehlt.

Wieder spüren lernen: klein, konkret, machbar

Wenn wir lange über unsere Grenzen gehen, wird die Verbindung nach innen leiser. Viele können sehr genau sagen, was andere brauchen. Bei sich selbst wird es schwammig. Dann fühlen sich Selbstfürsorge und Pausen an wie ein Fremdwort, das man irgendwie falsch ausspricht.

Was kannst Du gerade jetzt im Augenblick spüren? Was brauchst Du, wenn Du ganz ehrlich zu Dir bist? Wie kannst Du dem, was Du spürst, etwas Raum geben? Wenn Du erschöpft bist, Dir erst einmal 5 Minuten Pause erlauben. Wenn Du Verbindung brauchst, jemandem eine Nachricht schicken oder anrufen. Wenn Du Zeit für Dich brauchst, Dir 20 Minuten heute reservieren.

Ich wünsche Dir, dass Du entspannt mit Dir sein kannst, sehr herzliche Grüße, Evelyn

>