Tag 3 - Wachstum statt Selbstverbesserung

Hier findest Du das Entspannung-Audio von heute: Alles ist gut

Bist Du fleißig, diszipliniert genug? Schaffst Du alles, was Du Dir vor nimmst?

Wenn Du ein wenig wie ich bist, dann könnte es immer ein bisschen besser sein. Die Frage im Kopf lautet: Wie kann ich besser sein als ich es jetzt bin?

Und da ist auch schon das Problem: wenn wir besser sein wollen, als wir es jetzt sind, dann sind wir jetzt nicht gut genug. Löst das bei Dir auch einen kleinen (oder großen) Schmerz aus? Ich bin nicht gut genug.

Wir haben schon gehört, dass es gut ist Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein zu haben - doch nicht einmal das kriegen wir hin? Ich bin nicht gut genug.

Betrachten wir es mal von außen: dieser Satz und diese Haltung bringt uns nicht weiter. Wenn Du Dich mit jemandem unterhältst, den Du magst, der aber kein Selbstvertrauen hat und sich selbst klein macht - das fühlt sich nicht angenehm an. Du willst Deinen Gegenüber aufbauen, aber er kann einfach nichts davon annehmen, denn seine Überzeugung ist, dass er es nicht verdient hat - weil er nicht gut genug ist und es nicht wert ist. Es ist nicht angenehm, sich mit jemandem, der so ein Selbstwert-Loch hat, auszutauschen.

Und noch weniger angenehm ist es, so jemand mit Selbstwert-Loch zu sein. Immer wieder die Bestätigung zu bekommen, dass man etwas nicht kann, nicht hinkriegt, nicht richtig macht. Wie wäre es wohl ausgegangen, wenn wir voller Selbstvertrauen an die Aufgabe herangegangen wären?

Also: es macht keinen Spaß, besser sein zu wollen, weil man jetzt nicht gut genug ist. Genauso wenig ist das attraktiv oder nützlich für andere. Dann lassen wir es doch besser sein.

Aber was machen wir stattdessen? Statt zu denken, wir müssten uns verbessern, weil wir so nicht reichen, könnten wir davon ausgehen, dass alles gut ist. Es ist gut so, wie es ist UND wir entwickeln uns weiter. Wir lernen jeden Tag dazu und haben Möglichkeiten.


Wie unterscheidet sich Wachsen von Selbstverbesserung?

1. Wir akzeptieren uns grundlegend als wertvolles, liebenswertes Wesen. Natürlich sind wir nicht perfekt, wer ist das schon?

2. Fehler sind nicht falsch. Das, was wir bisher Fehler nennen, sind Versuche, die manchmal gelingen und manchmal nicht - doch jeder Versuch lehrt uns etwas.

Als Kind haben wir monatelang fast ununterbrochen Stehen und Gehen geübt und dann konnten wir es. Jahrelang haben wir Sprechen ausprobiert, verfeinert und erst haben wir uns rudimentär ausgedrückt, dann immer deutlicher, immer detaillierter.

Wie wir als Erwachsene dann auf die Idee kommen, dass man irgendetwas nach 1, 2 oder 3 Versuchen sofort können MUSS, ist doch erstaunlich, findest Du nicht?

3. Lebenslanges Lernen geht in beide Richtungen. Meistens verstehen wir es so, dass wir bis ins hohe Alter lernen können. Das stimmt! Es ist aber auch hilfreich, sich klar zu machen, wie wir als Kind gelernt haben. Das nennen wir in der Feldenkrais-Welt auch organisches Lernen. Dazu gehört, dass uns interessiert, was wir lernen, dass wir neugierig darauf sind, dass wir spielerisch damit umgehen, selbstvergessen ausprobieren und erforschen und wie oben erwähnt, über Versuch und Irrtum unseren Weg zur Lösung finden.

4. Durch diese Form des Lernens machen wir Erfahrungen, wir erleben Selbstwirksamkeit, denn selbst, wenn etwas nicht zum gewünschten Ergebnis führt, wissen wir nun einen Weg, wie es nicht geht 🙂

Das, was wir durch Erfahrung lernen, bleibt bei uns. Weißt Du noch, was Du Dir in der Schule oder in der Ausbildung in den Kopf gestopft hast? Einiges wahrscheinlich schon. Aber etwas, was Du erlebt hast, eine Situation, in der Du eine Erkenntnis hattest, selbst verstanden hast, warum es genauso ist, wie es ist, die bleibt Dir ewig. Du kannst sie Dir wieder in Erinnerung rufen, wieder spüren, wie es sich angefühlt hat, nachvollziehen, was Du gemacht hast - diese Erfahrung ist ein Teil von Dir geworden.

5. Wir entwickeln Vertrauen in unsere Fähigkeit, Lösungen zu finden.

Wir wachsen durch die Erfahrungen, die wir machen. Wir haben keine Angst mehr, etwas einfach mal auszuprobieren, auch, wenn es nicht die Lösung ist. Denn wir wissen, dass wir einen Schritt weiter sind, wenn wir dadurch auf Varianten und andere Lösungsansätze kommen. Und so weiter.

Wir wissen, dass uns schon irgendein erster Schritt, ein Versuch einfallen wird, egal in welcher (alltäglichen) Situation wir landen - wir haben Selbstvertrauen und vertrauen darauf, dazu lernen zu können.

Alles ist gut so, wie es ist - und wenn es ein Problem gibt, finden wir eine Lösung.

Natürlich ist das ein Weg, ein Prozess.

Mach den ersten Schritte, in dem Du Dir heute liebevoll begegnest, wenn Du das Gefühl oder den Gedanken bemerkst, dass Du etwas falsch gemacht hast. Jeder kann mal etwas vergessen, verlieren, verschütten oder kaputt machen. Das ist so. 

Sei nett zu Dir - zu anderen wärst Du es auch.

Ich wünsche Dir spielerische und freudvolle Lern-Situationen, herzliche Grüße, Evelyn

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