Tag 9 - Wie wir zu dem Menschen wurden, der wir sind
Heute geht es um Atmen in Bewegung, damit die Atmung von Kopf bis Fuß aktiviert wird. Durch Drehen der Arme und Anheben des Beines wird die Atemmuskulatur aktiviert und tieferes Atmen möglich:
Individuelle Stress-Reaktionsmuster
Flucht, Kampf oder Erstarren gelten als die drei Stressreaktionen, die zumindest den Warmblütern innewohnen. Wenn wir uns in unserem Leben beobachten oder unsere Vergangenheit reflektieren, können wir ganz gut erkennen zu welcher wir neigen:
- Flüchten wir, wenn wir unter Druck geraten, wortwörtlich, indem wir Situationen vermeiden oder flüchten wir uns z.B. in Suchtmittel?
- Sind wir, wenn Stress aufkommt, auf Krawall gebürstet und brechen einen Streit nach dem anderen vom Zaun, fühlen uns generell schnell angegriffen?
- Oder sind wir so erstarrt, dass wir gar nichts mehr tun können, was dann in Depressionen münden kann?
Meinen Beobachtungen nach ist es sehr gut möglich, dass wir in bestimmten Bereichen unseres Lebens mehr zu einer der Reaktionen neigen, in einem anderen aber zu anderen. Wir können beruflichem Druck ausweisen, dem Druck in Beziehungen aber mit Aggression begegnen oder umgekehrt. Es gibt natürlich nicht nur diese zwei Bereiche.
Unsere Art auf Stress und Druck zu reagieren ist natürlich durch unsere Erziehung und die Erfahrungen, die wir bisher im Leben gemacht haben, geprägt.
Genetische Stress-Reaktionsmuster
Dazu kommt noch unsere genetische Stressverarbeitung. Keine Ahnung, warum das nicht in aller Munde ist. Vielleicht ist es zu komplex. Ich versuche, es möglichst verständlich wiederzugeben. Da ich keine Medizinerin bin, berufe ich mich einfach auf den gesunden Menschenverstand 😉 Unten findet Ihr den Link zu zwei Texten eines Mediziners dazu (gut verständlich).
Ein Faktor, der Deinen Stresspegel beeinflusst, ist Deine Genetik. Wenn wir Stress abbauen, spielen zwei Enzyme eine große Rolle: Catechol-O-Methyltransferase (kurz: COMT) und die Monoaminoxidase (kurz: MAO).
Jedes dieser Enzyme kann genetisch in drei Varianten auftreten: low (niedrig), mittel, high (hoch). Das bedeutet, dass sie entweder wenig, normal viele oder viele Stresshormone u.a. abbauen. Durch die Kombination der beiden Enzyme verstärkt sich das oder schwächt es sich ab, z.B. wenn beide low sind oder nur eins. Anderes kommt dazu. So wird z.B. auch Östrogen über den gleichen Stoffwechselzyklus (MAO) abgebaut, d.h. Frauen sind davon anders betroffen als Männer.
Je nachdem welche Genvariante wir besitzen, spielen die Enzyme, Neurotransmitter, ihre Abbaustoffe und vieles mehr unterschiedlich zusammen.
Ich gehöre zu den Menschen, die Stress weniger schnell abbauen. Das bedeutet allerdings nicht einfach, dass ich "mehr gestresst" bin. Dadurch, dass das schon immer so ist, ist mein gesamter Körper, mein Stoffwechsel, mein Gehirn darauf ausgerichtet mit "mehr Stress(hormonen)" zu funktionieren.
Das führt in kurzfristigen Stresssituationen dazu, dass ich "cool" bleiben kann. Mein Körper wird mit Stress geflutet, kann damit umgehen und nutzt das, was Stresshormone bringen für sich und die Situation: mehr Fokus, mehr Klarheit, Ausdauer und Wachheit.
Jemand, der eine "normale" COMT/MAO Genetik hat, erfährt schneller die Reaktion, die natürlicherweise auf Stress folgt: Erschöpfung, Müdigkeit, Regeneration. Dann ist er wieder fit. Das ist etwas, was mir sehr schwer fällt. Ich muss mich bremsen, bevor ich mich erschöpft fühle, weil mein Körper sonst zu sehr ins Minus rutscht. In den 15 Jahren seit meinem Burn-Out habe ich gelernt, die Anzeichen zu bemerken und gegen zu steuern. Doch tatsächlich fühlt es sich gut und lebendig für mich an, auf Stress zu laufen.
Andererseits jemand, der "high" COMT/MAO hat: er baut die Stresshormone so schnell ab, dass er sich oft Adrenalin-Kicks wie Bungee Jumping sucht, um den Stress-Rausch zu erleben. Gerade bei Frauen kann es in diesem Fall mit dem Älterwerden passieren, dass sie immer weniger Antrieb haben, weil auch das Dopamin zu schnell abgebaut wird.
Diese genetischen Varianten treten so häufig in der Bevölkerung auf, dass sie Polymorphismen (Vielgestaltigkeit) genannt werden und nicht Mutationen. Sie beeinflussen, wie wir mit Stress und Reizen umgehen, wie wir Nahrungsergänzungsmittel oder Herzmedikamente verarbeiten und was wir brauchen, um uns zu entspannen.
Wenn Du mehr dazu wissen willst und herausfinden willst, was Du für eine Variante bist oder sein könntest, dann kann ich Dir folgende Informationen in dem Blog einer Kardiologiepraxis ans Herz legen: COMT & MAO - Blutdruck, Herzrasen, Angst, Depression (auf cardiopraxis.de) und Nahrungsergänzungsmittel für COMT, MAO, Aromatase (auf cardiopraxis.de)